DAS PROJEKT „INTERKULTURELLE ÖFFNUNG“ DER DIAKONIE

DAS PROJEKT „INTERKULTURELLE ÖFFNUNG“ IN NORDERSTEDT

Es kommt darauf an, im Gespräch zu bleiben

„Wir müssen miteinander sprechen, Interesse am Anderen haben. Und wir dürfen die Geduld nicht verlieren“, erklärt Barbara Heyken vom diakonischen „Projekt Interkulturelle Öffnung“ in Norderstedt. Sie und ihre Kollegin Nadine Rupnow wollen sensibilisieren – für die Lage der Geflüchteten, für die Bedürfnisse der Ansässigen. Integration ist das Ziel.

Die Hoffnung, die zugewanderten Menschen würden schnell ihren Platz in der Gesellschaft finden, hat sich nicht erfüllt. Dafür sind auch gesetzliche Hürden verantwortlich. Nicht alle erhalten einen Sprachkurs. Nicht alle dürfen arbeiten. „Um beide Beine auf die Erde zu bekommen, ist die Sprache wichtig. Ohne Deutsch zu beherrschen, wird es sehr schwer, hier zu bestehen“, fasst die Beraterin die Erfahrungen seit 2015 zusammen.

Die Geflüchteten haben ihre sozialen und kulturellen Bezüge verloren. Viele kommen mit Trauma-Erfahrungen. Vieles, was sie gewohnt sind, gilt hier nicht. Die Bereitschaft, Deutschland kennen zu lernen und neue Regeln zu akzeptieren, sei auch eine Frage der Bildung und des Alters.

Unterschiedliche Interessen

„Bei allen, die kommen, sehen wir, dass die Familie im Fokus ist“, sagt Barbara Heyken. Der Zusammenhalt der Familie ist meist stärker als hierzulande. Vor allem junge Männer werden von ihren Familien nach Deutschland geschickt, um die Not zu Hause zu lindern. Wer es kann, holt die Angehörigen nach. Einige Geflüchtete arrangierten sich, passten sich gerade so weit an, dass es keine Konflikte gebe. Andere wiederum engagieren sich stark in der neuen Gesellschaft, an der sie aktiv teil haben möchten und unterstützen auch neu Ankommende mit Rat und Tat.

Kulturelle Offenheit bedeutet, unterschiedliche Lebensentwürfe wahrzunehmen und zu verstehen. Und ins Gespräch zu kommen. Das ist nicht immer einfach. Die Art, mit einander zu sprechen, mit Konflikten umzugehen, sich zu streiten, unterscheidet sich häufig von hiesigen Verhaltensweisen. Ethische und religiöse Vorstellungen, das Verhältnis der Geschlechter zueinander, die Erziehungsstile: vieles kann anders sein als gewohnt. Kultursensibel zu sein, bedeute, den einzelnen Menschen mit seiner individuellen Biographie wahrzunehmen und anzuerkennen, erklärt Barbara Heyken.

Sagen, wie es funktioniert

Viele Eingewanderte, die schon länger hier leben, die sich integriert haben, sagen ihr: „Was eiert ihr so rum? Ihr müsst klare Spielregeln festlegen. Gerade bei den jungen Leuten, die jetzt kommen. Erklärt, wie es hier funktioniert. Ansonsten werdet ihr keinen Respekt bekommen.“

Das gibt ihr zu denken. Barbara Heyken betont eher die Toleranz gegenüber den Zuwandernden. Toleranz müsse jedoch ständig wieder hinterfragt werden. „Ich denke, es muss gewisse Regeln im Zusammenleben geben. Für mich sind die grundlegenden Werte unserer Verfassung maßgebend. Darüber müssen wir uns immer wieder auseinandersetzen – eine sehr komplexe gesellschaftliche Entwicklung, die allen viel abverlangt.“

Das vermitteln die beiden Expertinnen des Projekts Interkulturelle Öffnung in ihren Veranstaltungen den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Diakonie, der öffentlichen Verwaltungen, der Jobcenter und der Unternehmen sowie den Geflüchteten in Schleswig Holstein: „Kulturelle Öffnung ist keine Einbahnstraße.“

Ein Gedanke zu „DAS PROJEKT „INTERKULTURELLE ÖFFNUNG“ DER DIAKONIE

  1. momox

    Ist „Kultursensibilität ein guter Ansatz? Würde, zum Beispiel, die Forderung einer deutschen Pflegebedürftigen, nur von Deutschen gepflegt werden zu wollen, „kultursensibel“ erfüllt oder als rassistisch verworfen?

    Antworten

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