Fachtag „Interkulturelle Öffnung“

Fachtag „Interkulturelle Öffnung“

Einander verstehen lernen

Ein „Leuchtturm“ sollte dieser Fachtag werden, er sollte die Orientierung erleichtern; eine Gelegenheit bieten, das Konzept „Interkulturelle Öffnung“ kennen zu lernen und zu diskutieren. Die Auftaktveranstaltung des Asyl-, Migrations- und Integrationsfonds (AMIF) „Verschieden. Verstehen – Interkulturelle Öffnung mit kultursensibler Kommunikation“ fragte am 27. 11. 2018 nach der Rolle der Medien in der Diskussion um Migration.

Einhundert Interessierte in den Räumen der Patriotischen Gesellschaft in Hamburg verfolgten das Programm. Moderator Manuel Rakers, der das Projekt im Diakonischen Werk Hamburg koordiniert, erklärte, es gehe um die Begegnung auf Augenhöhe zwischen Beraterinnen und Zuwandernden.

Mitarbeiter von Einrichtungen, die bereits Maßnahmen umgesetzt haben, fragten manchmal: “Wann kann ich einen Haken dahinter setzen?“ Kultursensibilität sei aber ein Prozess ständiger Selbstreflektion. „Zu versuchen, nicht rassistisch zu sein, ist erst der Anfang. Danach muss ich mich auf den Menschen einlassen, um zu verstehen, warum er so ist, wie er ist. Ein Beratungsgespräch funktioniert nur mit Empathie. Kultursensibilität hilft dabei“, erklärt Manuel Rakers.

Unverständliches einfacher formulieren

Kaveh Kooroshy, Journalist und Mitglied der „Neuen Deutschen Medienmacherinnen“ forderte mehr Menschen mit Migrationshintergrund in den Redaktionen. Seine Organisation hat eine Broschüre mit Formulierungshilfen erarbeitet, um Sachverhalte präzise wiederzugeben.

Die Afghanin Shamsia Azarmehr erläuterte den Prozess der gesellschaftlichen Willensbildung in Afghanistan am Beispiel so genannter Jergas. Für deutsche Beraterinnen sei es wichtig zu wissen, mit welchen Vorstellungen Migranten nach Deutschland kommen. Informationen sollten möglichst in Leichter Sprache formuliert werden.

Texte von Behörden seien für diese Menschen oft unverständlich, bestätigt Manuel Rakers: „Da geht es um die Grundsicherung: Wohnung, Lebensunterhalt. Das muss für alle verständlich formuliert werden. Geflüchtete stehen unter einem enormen Druck, sich zurechtzufinden. Da können wir nicht warten, bis sie richtig Deutsch gelernt haben. “

Interkulturelle Öffnung forderte auch der Politik- und Kommunikationsberater Johannes Hillje. Er erklärte, wie die Begriffsbildung in der politischen Auseinandersetzung funktioniert. Das so genannte Framing (die ideologische Einbettung scheinbar objektiver Begriffe) müsse durchblickt werden. Eigene Positionen müssten positiv hinterlegt werden.

Ideen für kultursensible Sprache entwickeln

„Es geht weiter“, verspricht Manuel Rakers: „Die Schubladen, in die wir Menschen stecken, bewusst zu machen, ist der entscheidende Sinn des Projekts. Wenn man überprüft, was man schreibt, wie man Öffentlichkeitsarbeit macht, wie man Bewerbungsgespräche führt, dann ist man im Prozess der interkulturellen Öffnung.“

Er plant Fortbildungen, unter anderem in „Leichter Sprache“. Es wird weitere Fachtagungen geben und eine Broschüre über Bildsprache. Anfang 2019 startet ein Wettbewerb, bei dem Beispiele und Ideen einer kultursensiblen Bildsprache ausgezeichnet werden.

Alle Infos auf der Website der Diakonie Hamburg.